Immanuel Kant

Allgemeine Naturgeschichte und Theorie Des Himmels

Zweiter Theil.

Achtes Hauptstck

Allgemeiner Beweis von der Richtigkeit einer mechanischen Lehrverfassung, der Einrichtung des Welbaues berhaupt, insonderheit von der Gewisseheit der gegenwrtigen.

Man kann das Weltgebude nicht ansehen, ohne die trefflichste Anordnung in seiner Einrichtung und die sicheren Merkmaale der Hand Gottes in der Vollkommenheit seiner Beziehungen zu kennen. Die Vernunft, nachedem sie so viel Schnheit, so viel Trefflichkeit erwogen und bewundert hat, entrstet sich mit Recht ber die khne Thorheit, welche sich unterstehen darf, alles dieses dem Zufalle und einem glcklichen Ungefhr zuzuschreiben. Es muss die hhste Weisheit den Entwurf gemacht und eine unendliche Macht selbigen ausgefhrt haben, sonst wre es unmglich, so viele in einem Zweck zusammen kommende Absichten in der Verfassung des Weltgebudes anzutreffen. Es kommt nur noch darauf an, zu entscheiden, ob der Entwurf der Einrichtung des Universi von dem hchsten Verstande schon in die wesentliche Bestimmungen der ewigen Naturen gelegt und in die allgemeine Bewegungsgesetze gepflanzt sei, um sich aus ihnen auf eine der vollkommensten Ordnung anstndige Art ungezwungen zu entwickeln; oder ob die allgemeine Eigenschaften der Bestandtheile der Welt die vllige Unfhigkeit zur bereinstimmung und nicht die geringste Beziehung zur Verbindung haben und durchaus einer fremden Hand bedurft haben, um diejenige Einschrnkung und Zusammenfgung zu berkommen, welche Vollkommenheit und Schnheit an sich blicken lsst. Ein fast allgemeines Vorurtheil hat die meisten Weltweisen gegen die Fhigkeit der Natur, etwas Ordentliches durch ihre allgemeine Gesetze hervorzubringen, eingenommen, gleich als wenn es Gott die Regierung der Welt streitig machen hiesse, wenn man die ursprnglich Bildungen in den Naturkrften sucht, und als wenn diese ein von der Gottheit unabhngiges Principium und ein ewiges blindes Schicksal wren.

Wenn man aber erwgt, dass die Natur und die ewigen Gesetze, welche den Substanzen zu ihrer Wechselwirkung vorgeschrieben sind, kein selbstndiges und ohne Gott nothwendiges Principium sie, dass eben dadurch, weil sie so viel bereinstimmung und Ordnung in demjenigen zeigt, was sie durch allgemeine Gesetze hervorbringt, zu ersehen ist, dass die Wesen aller Dinge in einem gewisssen Grundwesen ihren gemenschaftlichen Ursprung haben mssen, und dass sie darum lauter gewechselte Beziehungen und lauter Harmonie zeigen, weil ihre Eigenschaften in einem einzigen hchsten Verstande ihre Quelle haben, dessen weise Idee sie in durchgngigen Beziehungen entworfen und ihnen diejenige Fhigkeit eingepflanzt hat, dadurch sie lauter Schnheit, lauter Ordnung in dem ihnen selbst gelassenen Zustande ihrer Wirksamkeit hervorbringen, wenn man, sage ich, dieses erwgt, so wird die Natur uns wrdiger, als sie gemeiniglich angesehen wird, erscheinen, und man wird von ihren Auswickelungen nichts, als bereinstimmung, nichts als Ordnung erwarten. Wenn man hingegen einem ungegrndeten Vorurtheile Platz lsst, dass die allgemeine Naturgesetze an und fr sich selber nichts als Unordnung zuwege bringen, und aller bereinstimmung zum Nutzen, welche bei der Verfassung der Natur hervor leuchtet, die unmittelbare Hand Gottes anzeigt: so wird man genthigt, die ganze Natur in Wunder zu verkehren. Man wird den schnen farbichten Bogen, der in den Regentropfen erscheint, wenn dieselben die Farben des Sonnenlichts absondern, wegen seiner Schnheit, den Regen wegen seines Nutzens, die Winde wegen der unentbehrlichen Vortheile, die sie in unendlichen Arten der menschlichen Bedrfnisse leisten, kurz, alle Vernderungen der Welt, welche Wohlanstndigkeit und Ordnung mit sich fhren, nicht aus den eingepflanzten Krften der Materie herleiten sollen. Das Beginnen der Naturforscher, die sich mit einer solchen Weltweisheit abgegeben haben, wird vor dem Richterstuhle der Religion eine feierliche Abbitte thus mssen. Es wird in der That alsdann keine Natur mehr sein; es wird nur ein Gott in der Maschine die Vernderungen der Welt hervor bringen. Aber was wird denn dieses seltsame Mittel, die Gewissheit des hchsten Wesens aus der wesentlichen Unfhigkeit der Natur zu beweisen, fr eine Wirkung zur berfhrung des Epikurers thun? Wenn die Naturen der Dinge durch die ewigen Gesetze ihrer Wesen nichts als Unordnung und Ungereimtheit zuwege bringen, so werden sie eben dadurch den Charakter ihrer Unabhngigkeit von Gott beweisen; und was fr einen Begriff wird man sich von einer Gottheit machen knnen, welcher die allgemeinen Naturgesetze nur durch eine Art von Zwange gehorchen und an und fr sich dessen weisesten Entwrfen widerstreiten? Wird der Feind der Vorsehung nicht eben so viel Siege ber diese falschen Grundstze davon tragen, als er bereinstimmungen aufweisen kann, welche die allgemeinen Wirkungsgesetze der Natur ohne alle besondere Einschrnkungen hervorbringen? und wird es ihm wohl an solchen Beispielen fehlen knnen? Dagegen lasset uns mit grsserer Anstndigkeit und Richtigkeit also schliessen: Die Natur, ihren allgemeinen Eigenschaften berlassen, ist an lauter schnen und vollkommenen Frchten fruchtbar, welche nicht allein an sich bereinstimmung und Trefflichkeit zeigen, sondern auch mit dem ganzen Umfange ihrer Wesen, mit dem Nutzen der Menschen und der Verherrlichung der gttlichen Eigenschaften wohl harmoniren. Hieraus folgt, dass ihre wesentlichen Eigenschaften keine unabhngige Nothwendigkeit haben knnen, sondern dass sie ihren Ursprung in einem einzigen Verstande, als dem Grunde und der Quelle aller Wesen, haben mssen, in welchem sie unter gemeinschaftlichen Beziehungen entworfen sind. Alles, was sich auf einander zu einer gewechselten Harmonie bezieht, muss in einem einzigen Wesen, von welchem es insgesammt abhngt, unter einander verbunden werden. Also ist ein Wesen aller Wesen, ein unendlicher Verstand und selbstndige Weisheit, vorhanden, daraus die Natur auch sogar ihrer Mglichkeit nach in dem ganzen Inbegriffe der Bestimmungen ihren Ursprung zieht. Nunmehr darf man die Fhigkeit der Natur, als dem Dasein eines hchsten Wesens nachtheilig, nicht bestreiten; je vollkommener sie in ihren Enwickelungen ist, je besser ihre allgemeinen Gesetze zur Ordnung und bereinstimmung fhren: ein desto sichererer Beweisthum der Gottheit ist sie, von welcher sie diese Verhltnisse entlehnt. Ihre Hervorbringungen sind nicht mehr Wirkungen des Ungefhrs und Folgen des Zufalls; es fliesst alles nach unwandelbaren Gesetzen von ihr ab, welche darum lauter Geschicktes darstellen mssen, weil sie lauter Zge aus dem allerweisesten Entwurfe sind, aus dem die Unordnung verbannt ist. Nicht der ungefhre Zusammenlauf der Atomen des Lucrez hat die Welt gebildet; eingepflanzte Krfte und Gesetze, die den weisesten Verstand zur Quelle haben, sind ein unwandelbarer Ursprung derjenigen Ordnung gewesen, die aus ihnen nicht von ungefhr, sondern nothwendig abfliessen musste.

Wenn man sich also eines alten und ungegrndeten Vorurtheils und der faulen Weltweisheit entschlagen kann, die unter einer andchtigen Miene eine trge Unwissenheit zu verbergen trachtet, so hoffe ich, auf unwidersprechliche Grnde eine sichere berzeugung zu grnden: dass die Welt eine mechanische Entwickelung aus den allgemeinen Naturgesetzen zum Ursprunge ihrer Verfassung erkenne; und dass zweitens die Art der mechanischen Erzeugung, die wir vorgestellt haben, die wahre sei. Wenn man beurtheilen will, ob die Natur genugsame Fhigkeiten habe, durch eine mechanische Folge ihrer Bewegungsgesetze die Anordnung des Weltbaues zuwege zu bringen, so muss man vorher erwgen, wie einfach die Bewegungen sind, welche die Weltkrper beobachten, und dass sie nichts an sich haben, was eine genauere Bestimmung erforderte, als es die allgemeinen Regeln der Naturkrfte mit sich fhren. Die Umlaufsbewegungen bestehen aus der Verbindung der sinkenden Kraft, die eine gewisse Folge aus den Eigenschaften der Materie ist, und aus der schiessenden Bewegung, die als die Wirkung der ersteren, als eine durch das Herabsinken erlangte Geschwindigkeit kann angesehen werden, in der nur eine gewisse Ursache nthig gewesen, den senkrechten Fall seitwarts abzubeugen. Nach einmal erlangter Bestimmung dieser Bewegungen ist nichts ferner nthig, sie auf immer zu erhalten. Sie bestehen in dem leeren Raume durch die Verbindung der einmal eingedrckten schiessenden Kraft mit der aus den wesentlichen Naturkrften fliessenden Attraction und leiden weiterhin keine Vernderung. Allein die Analogien in der bereinstimmung dieser Bewegung bezeigen die Wirklichkeit eines mechanischen Ursprunges so deutlich, dass man daran keinen Zweifel tragen kann. Denn

1. haben diese Bewegungen eine durchgehends bereinstimmende Richtung, dass von sechs Hauptplaneten, von 10 Trabanten sowohl in ihrer fortrckung Bewegung, als in ihren Umdrehungen um die Achse nicht ein einziger ist, der nach einer andern Seite, als von Abend gegen Morgen sich bewegte. Diese Richtungen sind berdem so genau zusammentreffend, dass sie nur wenig von einer gemeinschaftlichen Flche abweichen, und diese Flche, auf welche sich alles bezieht, ist die quatorsflche des Krpers, der in dem Mittelpunkte des ganzen Systems sich nach eben derselben Gegend um die Achse dreht, und der durch seine vorzgliche Attraction der Beziehungspunkt aller Bewegungen geworden und folglich an denselben so genau, als mglich hat Theil nehmen mssen. Ein Beweis, dass die gesammte Bewegungen auf eine den allgemeinen Naturgesetzen gemss mechanische Art entstanden und bestimmt worden, und dass die Ursache, welche entweder die Seitenbewegungen eindrckte, oder richtete, den ganzen Raum des Planetengebudes beherrscht hat und darin den Gesetzen gehorcht, welche die in einem gemeinschaftlich bewegten Raume befindlich Materie beobachtet, dass all verschiedene Bewegungen zuletzt eine einzige Richtung annehmen und sich insgesammt so genau, als mglich auf eine einzige Flche beziehen machen.

2, sind die Geschwindigkeiten so beschaffen, als sie es in einem Raume sein mssen, da die bewegende Kraft in dem Mittelpunkte ist, nmlich sie nehmen in bestndigen Graden mit den Entfernungen von diesem ab und verlieren sich in der grssten Weite in eine gnzliche Mattigkeit der Bewegung, welche den senkrechten Fall nur sehr wenig seitwrts beugt. Vom Mercur an, welcher die grsste Schwungskraft hat, sieht man diese stufenweise sich vermindern und in dem ussersten Kometen so gering sein, als sie es sein kann, um nicht gerade in die Sonne zu fallen. Man kann nicht einwenden, dass die Regeln der Centralbewegungen in Zirkelkreisen es so erheischen, dass, je nher zum Mittelpunkte der allgemeinen Senkung, desto grsser die Umschwungsgeschwindigkeit sein msse; denn woher mssen eben die diesem Centro nahen Himmelskrper zirkelfrmichte Kreise haben? woher sind nicht die nchsten sehr excentrisch und die entfernteren in Zirkeln umlaufend? oder vielmehr, da sie alle von dieser abgemessenen geometrischen Genauheit abweichen: warum nimmt diese Abweichung mit den Entfernungen zu? Bezeichnen diese Verhltnisse nicht den Punkt, zu dem alle Bewegung ursprnglich sich gedrngt und nach dem Masse der Naheit auch grssere Grade erlangt hat, bevor andere Bestimmungen ihre Richtungen in die gegenwrtige verndert haben?

Will man nun aber die Verfassung des Weltbaues und den Ursprung der Bewegungen von den allgemeinen Naturgesetzen ausnehmen, um sie der unmittelbaren Hand Gottes zuzuschreiben, so wird man alsbald inne, dass die angefhrte Analogien einen solchen Begriff offenbar widerlegen. Denn was erstlich die durchgngige bereinstimmung in der Richtung betrifft, so ist offenbar, dass hier kein Grund sei, woher die Weltkrper gerade nach einer einzigen Gegend ihre Umlufe anstellen mssten, wenn der Mechanismus ihrer Erzeugung sie nicht dahin bestimmt htte. Denn der Raum, in dem sie laufen, ist unendlich wenig widerstehend und schrnkt ihre Bewegungen so wenig nach der einen Seite, als nach der andern ein; also wrde die Wahl Gottes ohne den geringsten Bewegungsgrund sich nicht an eine einzige Bestimmung binden, sondern sich mit mehrerer Freiheit in allerlei Abwechselungen und Verschiedenheit zeigen. Noch mehr: warum sind die Kreise der Planeten so genau auf eine gemeinschaftliche Flche beziehend, nmlich auf die quatorsflche desjenigen grossen Krpers, der in dem Mittelpunkte aller Bewegung ihre Umlufe regiert? Diese Analogie, an statt einen Bewegungsgrund der Wohlanstndigkeit an sich zu zeigen, ist vielmehr die Ursache einer gewissen Verwirrung, welche durch eine freie Abweichung der Planetenkreise wrde gehoben werden: denn die Anziehungen der Planeten stren anjetzt gewissermassen die Gleichfrmigkeit ihrer Bewegungen und wrden einander gar nicht hinderlich sein, wenn sie sich nicht so genau auf eine gemeinschaftliche Flche bezgen.

Noch mehr, als alle diese Analogien zeigt sich das deutlichste Merkmaal von der Hand der Natur an dem Mangel der genauesten Bestimmung in denjenigen Verhltnissen, die sie zu erreichen bestrebt gewesen. Wenn es am besten wre, dass die Planetenkreise beinahe auf eine gemeinschaftliche Flche gestellt wren, warum sind sie es nicht ganz genau? und warum ist ein Theil derjenigen Abweichung brig geblieben, welche hat vermieden werden sollen? Wenn darum die der Laufbahne der Sonne nahen Planeten die der Attraction das Gleichgewicht haltende Grsse der Schwungskraft empfangen haben, warum fehlt noch etwas an dieser vlligen Gleichheit? und woher sind ihre Umlufe nicht vollkommen zirkelrund, wenn bloss die weisseste Absicht, durch das grsste Vermgen untersttzt, diese Bestimmung hervorzubringen getrachtet hat? Ist es nicht klar einzusehen, dass diejenige Ursache, welche die Laufbahnen der Himmelskrper gestellt hat, indem sie selbige auf eine gemeinschaftliche Flche zu bringen bestrebt gewesen, es nicht vllig hat ausrichten knnen; ingleichen, dass die Kraft, welche den Himmelsraum beherrschte, als alle Materie, die nunmehr in Kugeln gebildet ist, ihre Umschwungsgeschwindigkeiten erhielt, sie zwar nahe beim Mittelpunkte in ein Gleichgewicht mit der senkenden Gewalt zu bringen getrachtet hat, aber die vllige Genauheit nicht hat erreichen knnen? Ist nicht das gewhnliche Verfahren der Natur hieran zu erkennen, welches durch die Dazwischenkunft der verschiedenen Mitwirkungen allemal von der ganz abgemessenen Bestimmung abweichend gemacht wird? Und wird man wohl lediglich in den Endzwecken des unmittelbar so gebietenden hchsten Willens die Grnde dieser Beschaffenheit finden? Man kann, ohne eine Hartnckigkeit zu bezeigen, nicht in Abrede sein, dass die gepriesene Erklrungsart von den Natureigenschaften durch Anfhrung ihres Nutzens Grund anzugeben hier nicht die verhoffte Probe halte. Es war gewiss in Ansehung des Nutzens der Welt ganz gleichgltig, ob die Planetenkreise vllig zirkelrund, oder ob sie ein wenig excentrisch wren; ob sie mit der Flche ihrer allgemeinen Beziehung vllig zusammen treffen, oder noch etwas davon abweichen sollten; vielmehr wenn es ja nthig war, in dieser Art von bereinstimmungen beschrnkt zu sein, so war es am besten, sie vllig an sich zu haben. Wenn es wahr ist, was der Philosoph sagte, dass Gott bestndig die Geometrie ausbt; wenn dieses auch in den Wegen der allgemeinen Naturgesetze hervor leuchtet: so wrde gewiss diese Regel bei den unmittelbaren Werken des allmchtigen Willens vollkommen zu spren sein, und diese wrden alle Vollkommenheit der geometrischen Genauheit an sich zeigen. Die Kometen gehren mit unter diese Mngel der Natur. Man kann nicht leugnen, dass in Ansehung ihres Laufes und der Vernderungen, die sie dadurch erleiden, sie als unvollkommene Glieder der Schpfung anzusehen seien, welche weder deinen knnen, vernnftigen Wesen bequeme Wohnpltze abzugeben, noch dem Besten des ganzen Systems dadurch ntzlich zu werden, dass sie, wie man vermuthet hat, der Sonne dereinst zur Nahrung dienten; denn es ist gewiss, dass die meisten derselben diesen Zwek nicht eher, als bei dem Umsturze des ganzen planetischen Gebudes erreichen wrden. In dem Lehrbegriffe von der unmittelbaren hchsten Anordnung der Welt ohne eine natrliche Entwickelung aus allgemeinen Naturgesetzen wrde eine solche Anmerkung anstssig sein, ob sie gleich gewiss ist. Allein in einer mechanischen Erklrungsart verherrlicht sich dadurch die Schnheit der Welt und die Offenbarung der Allmacht nicht wenig. Die Natur, indem sie alle mgliche Stufen der Mannigfaltigkeit in sich fasst, erstreckt ihren Umfang ber alle Gattungen von der Vollkommenheit bis zum Nichts, und die Mngel selber sind ein Zeichen des berflusses, an welchem ihr Inbegriff unerschpft ist.

Es ist zu glauben, dass die angefhrten Analogien so viel ber das Vorurtheil vermgen wrden, den mechanischen Ursprung des Weltgebudes annehmungswrdig zu machen, wenn nicht noch gewisse Grnde, die aus der Natur der Sache selber hergenommen sind, dieser Lehrverfassung gnzlich zu widersprechen schienen. Der Himmelsraum ist, wie schon mehrmals gedacht, leer, oder wenigstens mit unendlich dnner Materie angefllt, welche folglich kein Mittel hat abgeben knnen, den Himmelskrpern gemeinschaftliche Bewegungen einzudrcken. Diese Schwierigkiet ist so bedeutend und gltig, dass Newton, welcher Ursache hatte, den Einsichten seiner Weltweisheit so viel als irgend ein Sterblicher zu vertrauen, sich genthigt sah, allhier die Hoffnung aufzugeben, die Eindrckung der den Planeten beiwohnenden Schwungskrfte unerachtet aller bereinstimmung, welche auf einen mechanischen Ursprung zeigte, durch die Gesetze der Natur und die Krfte der Materie aufzulsen. Ob es gleich fr einen Philosphen eine betrbte Entschliessung ist, bei einer zusammengesetzten und noch weit von den einfachen Grundgesetzen entfernten Beschaffenheit die Bemhung der Untersuchung aufzugeben und sich mit der Anfhrung des unmittelbaren Willens Gottes zu begngen: so erkannte doch Newton hier die Grenzscheidung, welche die Natur und den Finger Gottes, den Lauf der eingefhrten Gesteze der ersteren und den Wink des letzteren von einander scheidet. Nach eines so grossen Weltweisen Verzweifelung scheint es eine Vermessenheit zu sein, noch einen glcklichen Fortgang in einer Sache von solcher Schwierigkeit zu hoffen.

Allein eben dieselbe Schwierigkeit, welche dem Newton die Hoffnung benahm, die den Himmelskrpern ertheilte Schwungskrfte, deren Richtung und Bestimmungen das Systematische des Weltbaues ausmacht, aus den Krften der Natur zu begreifen, ist die Quelle der Lehrverfassung gewesen, die wir in den vorigen Hauptstcken vorgetragen haben. Sie grndet einen mechanischen Lehrbegriff, aber einen solchen, der weit von demjenigen entfernt ist, welchen Newton unzulnglich befand, und um dessen willen er alle Unterursachen verwarf, weil er (wenn ich es mir unterstehen darf, zu sagen) darin irrte, dass er ihn fr den einzigen unter allen mglichen seiner Art hielt. Es ist ganz leicht und natrlich selbst vermittelst der Schwierigkeit des Newton durch eine kurze und grndliche Schlussfolge auf die Gewissheit derjenigen mechanischen Erklrungsart zu kommen, die wir in dieser Abhandlung entworfen haben. Wenn man voraussetzt (wie man denn nicht umhin kann, es zu bekennen), dass die obigen Analogien es mit grsster Gewissheit festsetzen, dass die harmonirenden und sich auf einander ordentlich beziehenden Bewegungen und Kreise der Himmelskrper eine natrlich Ursache als ihren Ursprung anzeigen: so kann diese doch nicht dieselbe Materie sein, welche anjetzt den Himmelsraum erfllt. Also muss diejenige, welche ehedem diese Rume erfllte, und deren Bewegung der Grund von den gegenwrtigen Umlufen der Himmelskrper gewesen ist, nachdem sie sich auf diese Kugeln versammlet und dadurch die Rume gereinigt hat, die man anjetzt leer sieht, oder, welches unmittelbar hieraus herfliesst, die Materien selber, daraus die Planeten, die Kometen, ja die Sone bestehen, mssen anfnglich in dem Raume des planetischen Systems ausgebreitet gewesen sein und in diesem Zustande sich in Bewegungen versetzt haben, welche sie behalten haben, als sie sich in besondere Klumpen vereinigten und die Himmmelskrper bildeten, welche alle den ehemals zerstreueten Stoff der Weltmaterie in sich fassen. Man ist hiebei nicht lange in Verlegenheit, das Triebwerk zu entdecken, welches diesen Stoff der sich bildenden Natur in Bewegung gesetzt haben mge. Der Antrieb selber, der die Vereinigung der Massen zuwege brachte, die Kraft der Anziehung, welche der Materie wesentlich beiwohnt und sich daher bei der ersten Regung der Natur zur ersten Ursache der Bewegung so wohl schickt, war die Quelle derselben. Die Richtung, welche bei dieser Kraft immer gerade zum Mittelpunkte hin zielt, mach allhier kein Bedenken; denn es ist gewiss, dass der feine Stoff zerstreueter Elemente in der senkrechten Bewegung sowohl durch die Mannigfaltigkeit der Attractionspunkte, als durch die Hinderniss, die einander ihre durchkreuzende Richtungslinien leisten, hat in verschiedene Seitenbewegungen ausschlagen mssen, bei denen das gewisse Naturgesetz, welches macht, dass alle einander durch gewechselte Wirkung einschrnkende Materie sich zuletzt auf einen solchen Zustand bringt, da eine der andern so wenig Vernderung, als mglich mehr zuzieht, sowohl die Einfrmigkeit der Richtung, als auch die gehrigen Grade der Geschwindigkeiten hervorgebracht hat, die in jedem Abstande nach der Centralkraft abgewogen sind, und durch deren Verbindung die Elemente weder ber noch unter sich auszuschweifen trachten: da alle Elemente also nicht allein nach einer Seite, sondern auch beinahe in parallelen und freien Zirkeln um den gemeinschaftlichen Senkungspunkt in dem dnnen Himmelsraume umlaufend gemacht worden. Diese Bewegungen der Theile mussten hernach fortdauren, als sich planetische Kugeln daraus gebildet hatten, und bestehen anjetzt durch die Verbindung des einmal eingepflanzten Schwunges mit der Centralkraft in unbeschrnkte knftige Zeiten. Auf diesem so begreiflichen Grunde beruhen die Einfrmigkeit der Richtungen in den Planetenkreisen, die genaue Beziehung auf eine gemeinschaftliche Flche, die Mssigung der Schwungskrfte nach der Attraction des Ortes, die mit den Entfernungen abnehmende Genauheit dieser Analogien und die freie Abweichung der ussersten Himmelskrper nach beiden Seiten sowohl, als nach entgegengesetzter Richtung. Wenn diese Zeichen der gewechselten Abhngigkeit in den Bestimmungen der Erzeugung auf eine durch den ganzen Raum verbreitete ursprnglich bewegte Materie mit offenbarer Gewissheit zeigen, so beweiset der gnzliche Mangel aller Materien in diesem nunmehr leeren Himmelsraume ausser derjenigen, woraus die Krper der Planeten, der Sonne und der Kometen zusammengesetzt sind, dass diese selber im Anfange in diesem Zustande der Ausbreitung msse gewesen sein. Die Leichtigkeit und Richtigkeit, mit welcher aus diesem angenommenen Grundsatze alle Phnomena des Weltbaues in den vorigen Hauptstcken hergeleitet worden, ist eine Vollendung solcher Muthmassung und giebt ihr einen Werth, der nicht mehr willkrlich ist.

Die Gewissheit einer mechanischen Lehrverfassung von dem Ursprunge des Weltgebudes, vornehmlich des unsrigen, wird auf den hchsten Gipfel der berzeugung erhoben, wenn man die Bildung der Himmelskrper selber, die Wichtigkeit und Grsse ihrer Massen nach den Verhltnissen erwgt, die sie in Ansehung ihres Abstandes von dem Mittelpunkte der Gravitation haben. Denn erstlich ist die Dichtigkeit ihres Stoffes, wenn man sie im Ganzen ihres Klumpens erwgt, in bestndigen Graden mit den Entfernungen von der Sonne abnehmend: eine Bestimmung, die so deutlich auf die mechanische Bestimmungen der ersten Bildung zielt, dass man nichts mehr verlangen kann. Sie sind aus solchen Materien zusammengesetzt, deren die von schwererer Art einen tiefern Ort zu dem gemeinschaftlichen Senkungspunkte, die von leichterer Art aber einen entfernteren Abstand bekommen haben: welche Bedingung in aller Art der natrlichen Erzeugung nothwendig ist. Aber bei einer unmittelbar aus dem gttlichen Willen fliessenden Einrichtung ist nicht der mindeste Grund zu gedachtem Verhltnisse anzutreffen. Denn ob es gleich scheinen mchte, dass die entfernteren Kuglen aus leichterem Stoff bestehen mssten, damit sie von der geringern Kraft der Sonnenstrahlen die nthige Wirkung verspren knnten: so ist dieses doch nur ein Zweck, der auf die Beschaffenheit der auf die Oberflche befindlichen Materien und nicht auf die tieferen Sorten ihres inwendigen Klumpens zielt, als in welche die Sonnenwrme niemals einige Wirkung thut, die auch nur dienen die Attraction des Planeten, welche die ihn umgebenden Krper zu ihm sinkend machen soll, zu bewirken, und daher nicht die mindeste Beziehung auf die Strke oder Schwche der Sonnenstrahlen haben drfen. Wenn man daher fragt, woher die aus den rightigen Rechnungen des Newton gezogene Dictigkeiten der Erde, des Jupiters, des Saturns sich gegeneinander wie 400, 94.5 und 64 verhalten: so wre es ungereimt die Ursache der Absicht Gottes, welcher sie nach den Graden der Sonnenwrme gemssigt hat, beizumessen; denn da kann unsere Erde uns zum Gegenbeweise dienen, bei der die Sonne nur in eine so geringe Tiefe unter der Oberflche durch ihre Strahlen wirkt, dass derjenige Theil ihres Klumpens, der dazu einige Beziehung haben muss, bei weitem nicht den millionsten Theil des Ganzen betrgt, wovon das brige in Ansehung dieser Absicht vllig gleichgltig ist. Wenn also der Stoff, daraus die Himmelskrper bestehen, ein ordentliches mit den Entfernungen harmonirendes Verhltniss gegen einander hat, und die Planeten einander anjetzt nicht einschrnken knnen, da sie nun in leerem Raume von einander abstehen: so muss ihre Materie vordem in einem Zustande gewesen sein, da sie in einander gemeinschaftliche Wirkung thun knnen, um sich in die ihrer specifischen Schwere proportionirte rter einzuschrnken, welches nicht anders hat geschehen knnen, als dass ihre Theile vor der Bildung in dem ganzen Raume des Systems ausgebreitet gewesen und dem allgemeinen Gesetze der Bewegung gemss rter gewonnen haben, welche ihrer Dictigkeit gebhren.

Das Verhltniss unter der Grsse der planetischen Massen, welches mit den Entfernungen zunimmt, ist der Zweite Grund, der die mechanische Bildung der Himmelskrper und vornehmlich unsere Theorie von derselben klrlich beweiset. Warum nehmen die Massen der Himmelskrper ungefhr mit den Entfernungen zu? Wenn man einer der Wahl Gottes alles zuschreibenden Lehrart nachgeht, so knnte keine andere Absicht gedacht werden, warum die entferntern Planeten grssere Massen haben mssen, als damit sie durch die vorzgliche Strke ihrer Anziehung in ihrer Sphre einen oder etliche Monde begreifen knnten, welche dienen sollen den Bewohnern, welche fr sie bestimmt sind, den Aufenthalt bequemlich zu machen. Allein dieser Zweck konnte eben sowohl durch eine vorzgliche Dichtigkeit in dem Inwendigen ihres Klumpens erhalten werden, und warum musste denn die aus besonderen Grnden fliessende Leichtigkeit des Stoffes, welche diesem Verhltniss entgegen ist, bleiben und durch den Vorzug des Volumens so weit bertroffen werden, dass dennoch die Masse der obern wichtiger als der untern ihre wrde? Wenn man nicht auf die Art der natrlichen Erzeugung dieser Krper Acht hat, so wird man schwerlich von diesem Verhltnisse Grund geben knnen; aber in Betrachtung derselben ist nichts leichter, als diese Bestimmung zu begreifen. Als der Stoff aller Weltkrper in dem Raum des planetischen Systems noch ausgebreitet war, so bildete die Anziehung aus diesen Theilchen Kugeln, welche ohne Zweifel um desto grsser werden mussten, je weiter der Ort ihrer Bildungssphre von demjenigen allgemeinen Centralkrper entfernt war, der aus dem Mittelpunkte des ganzen Raumes durch eine vorzglich mchtige Attraction diese Vereinigung, so viel an ihm ist, einschrnkte und hinderte.

Man wird die Merkmale dieser Bildung der Himmelskrper aus dem im Anfange ausgebreitet gewesenen Grundstoffe mit Vergngen an der Weite der Zwischenrume gewahr, die ihre Kreise von einander scheiden, und die nach diesem Begriffe als die leeren Fcher mssen angesehen werden, aus denen die Planeten die Materie zu ihrer Bildung hergenommen haben. Man sieht, wie diese Zwischenrume zwischen den Kreisen ein Verhltniss zu der Grsse der Massen haben, die daraus gebildet sind. Die Weite zwischen dem Kreise des Jupiters und des Mars ist so gross, dass der darin beschlossene Raum die Flche aller unteren Planetenkreise zusammengenommen bertrifft: allein er ist des grssten unter allen Planeten wrdig, desjenigen, der mehr Masse hat, als alle brigen zusammen. Man kann diese Entfernung des Jupiters von dem Mars nicht der Absicht beimessen, dass ihre Attractionen einander so wenig als mglich hindern sollten. Denn nach solchem Grunde wrde sich der Planet zwischen zwei Kreisen allemal demjenigen Planeten am nchsten befinden, dessen mit der seinigen vereinigte Attraction die beiderseitigen Umlufe um die Sonne am wenigsten stren kann: folglich demjenigen, der die kleinste Masse hat. Weil nun nach den richtigen Rechnungen Newtons die Gewalt, womit Jupiter in den Lauf des Mars wirken kann, sich zu derjenigen, die er in den Saturn durch die vereinigte Anziehung ausbt, wie 1/12512 zu 1/200 verhlt: so kann man leicht die Rechnung machen, um wie viel Jupiter sich dem Kreise des Mars nher befinden msste, als des Saturns seinem, wenn ihr Abstand durch die Absicht ihrer usserlichen Beziehung und nicht durch den Mechanismus ihrer Erzeugung bestimmt worden wre. Da dieses sich nun aber ganz anders befindet, da ein planetischer Kreis in Ansehung der zwei Kreise, die ber und unter ihm sind, sich oft von demjenigen abstehender befindet, in welchem ein kleinerer Planet luft, als von der Bahn dessen von grsser Masse, die Weite des Raumes aber um den Kreis eines jeden Planeten allemal ein rightiges Verhltniss zu seiner Masse hat: so ist klar, dass die Art der Erzeugung diese Verhltnisse msse bestimmt haben, und dass, weil diese Bestimmungen so, wie die Ursache und die Folgen derselben scheinen verbunden zu sein, man es wohl am richtigsten treffen wird, wenn man die zwischen den Kreisen begriffene Rume als die Behltnisse desjenigen Stoffes ansieht, daraus sich die Planeten gebildet haben: woraus unmittelbar folgt, dass deren Grsse dieser ihren Massen proportionirt sein muss, welches Verhltniss aber bei den entferntern Planeten durch die in dem ersten Zustande grssere Zerstreuung der elementarischen Materie in diesen Gegenden vermehrt wird. Daher von zwei Planeten, die an Masse einander ziemlich gleich kommen, der entferntere einen grssern Bildungsraum, d. i. einen grssern Abstand von den beiden nchsten Kreisen, haben muss, sowohl weil der Stoff daselbst an sich specifisch leichterer Art, als auch weil er zerstreuter war, als bei dem, so sich nher zu der Sonne bildete. Daher obgleich die Erde zusammt dem Monde der Venus noch nicht an krperlichem Inhalte gleich zu sein scheint, so hat sie dennoch um sich einen grsserne Bildungsraum erfordert: weil sie sich aus einem mehr zerstreuten Stoffe zu bilden hatte, als dieser untere Planet. Vom Saturn ist aus diesen Grnden zu vermuthen, dass seine Bildungssphre sich auf der abgelegenen Seite viel weiter wird ausgebreitet haben, als auf der Seite gegen den Mittelpunkt hin (wie denn dieses fast von allen Planeten gilt); und daher wird der Zwischenraum zwischen dem Saturnuskreise und der Bahn des diesem Planeten zunchst obern Himmelskrpers, den man ber ihm vermuthen kann, viel weiter, als zwischen eben demselben und dem Jupiter sein.

Also geht alles in dem planetischen Weltbaue stufenweise mit richtigen Beziehungen zu der ersten erzeugenden Kraft, die neben dem Mittelpunkte wirksamer als in der Ferne gewesen, in alle unbeschrnkte Weiten fort. Die Verminderung der eingedrckten schiessenden Kraft, die Abweichung von der genauesten bereinstimmung in der Richtung und der Stellung der Kreise, die Dichtigkeiten der Himmelskrper, die Sparsamkeit der Natur in Absehen auf den Raum ihrer Bildung: alles vermindert sich stufenartig von dem Centro in die weiten Entfernungen; alles zeigt, dass die erste Ursache an die mechanischen Regeln der Bewegung gebunden gewesen und nicht durch eine freie Wahl gehandelt hat.

Allein was so deutlich, als irgend sonst etwas die natrliche Bildung der Himmelskrper aus dem ursprnglich in dem Raume des Himmels, der nunmehr leer ist, ausgebreitet gewesenen Grundstoffe anzeigt, ist diejenige bereinstimmung, die ich von dem Herrn von Buffon entlehne, die aber in seiner Theorie bei weitem den Nutzen, als in der unsrigen nicht hat. Denn nach seiner Bemerkung, wenn man die Planeten, deren Massen man durch Rechnung bestimmen kann, zusammen summirt, nmlich den Saturn, den Jupiter, die Erde und den Mond: so geben sie einen Klumpen, dessen Dichtigkeit der Dichtigkeit des Sonnenkrpers wie 640 zu 650 beikommt, gegen welche, da es die Hauptstcke in dem planetischen System sind, die brigen Planeten, Mars, Venus und Mercur, kaum verdienen gerechnet zu werden; so wird man billig ber die merkwrdige Gleichheit erstaunen, die zwischen der Materie des gesammten planetischen Gebudes, wenn es als in einem Klumpen vereinigt betrachtet wird, und zwischen der Masse der Sonnen herrscht. Es wre ein unverantwortlicher Leichtsinn, diese Analogie einem Ungefhr zuzuschreiben, welche unter einer Mannigfaltigkeit so unendlich verschiedener Materien, deren nur allein auf unserer Erde einige anzutreffen sind, die 15tausendmal an Dictigkeit von einander bertroffen werden, dennoch im Ganzen dem Verhltniss von 1 zu 1 so nahe kommen; und man muss zugeben, dass, wenn man die Sonne als ein Mengsel von allen Sorten Materie, die in dem planetischen Gebude von einander geschieden sind, betrachtet, alle insgesammt sich in einem Raume scheinen gebildet zu haben, der ursprnglich mit gleichfrmig ausgebreitetem Stoffe erfllt war, und auf dem Centralkrper sich ohne Unterschied versammlet, zur Bildung der Planeten aber nach Massgebung der Hhen eingetheilt worden. Ich berlasse es denen, die die mechanische Erzeugung der Weltkrper nicht zugeben knnen, aus den Bewegungsgrnden der Wahl Gottes diese so besondere bereinstimmung, wo sie knnen, zu erklren. Ich will endlich aufhren, eine Sache von so berzeugender Deutlichkeit, als die Entwickelung des Weltgebudes aus den Krften der Natur ist, auf mehr Beweisthmer zu grnden. Wenn man im Stande ist, bei so vieler berfhrung unbeweglich zu bleiben, so muss man entweder gar zu tief in den Fesseln des Vorurtheils liegen, oder gnzlich unfhig sein, sich ber den Wust hergebrachter Meinungen zu der Betrachtung der allerreinsten Wahrheit empor zu schwingen. Indessen ist zu glauben, dass niemand als die Bldsinnigen, auf deren Beifall man nicht rechnen darf, die Richtigkeit dieser Theorie verkennen knnte, wenn die bereinstimmungen, die der Weltbau in allen seinen Verbindungen zu dem Nutzen der vernnftigen Creatur hat nicht etwas mehr, als blosse allgemeine Naturgesetze zum Grunde zu haben schienen. Man glaubt auch mit Recht, dass geschickte Anordnungen, welche auf einen wrdigen Zweck abzielen, einen weisen Verstand zum Urheber haben mssen, und man wird vllig befriedigt werden, wenn man bedenkt, dass, da die Naturen der Dinge keine andere, als eben diese Urquelle erkennen, ihre wesentliche und allgemeine Beschaffenheiten eine natrliche Neigung zu anstndigen und unter einander wohl bereinstimmenden Folgen haben mssen. Man wird sich also nicht befremden drfen, wenn man zum gewechselten Vortheile der Creaturen gereichende Einrichtungen der Weltverfassung gewahr wird, selbige einer natrlichen Folge aus den allgemeinen Gesetzen der Natur beizumessen, denn was aus diesen herfliesst, ist nicht die Wirkung des blinden Zufalles oder der unvernnftigen Nothwendigkeit: es grndet sich zuletzt doch in der hchsten Weisheit, von der die allgemeinen Beschaffenheiten ihre bereinstimmung entlehnen. Der eine Schluss is ganz richtig: Wenn in der Verfassung der Welt Ordnung und Schnheit hervorleuchten, so ist ein Gott. Allein der andere ist nicht weniger gegrndet: Wenn diese Ordnung aus allgemeinen Naturgesetzen hat herfliessen knnen, so ist die ganze Natur nothwendig eine Wirkung der hchsten Weisheit.

Wenn man es sich aber durchaus belieben lsst, die unmittelbare Anwendung der gttlichen Weisheit an allen Anordnungen der Natur, die unter sich Harmonie und ntzliche Zwecke begreifen, zu erkennen, indem man der Entwickelung aus allgemeinen Bewegungsgesetzen keine bereinstimmende Folgen zutrauet: so wollte ich rathen, in der Beschauung des Weltbaues seine Augen nicht auf einen einzigen unter den Himmelskrpern, sondern auf das Ganze zu richten, um sich aus diesesm Wahne auf einmal heraus zu reissen. Wenn die schiefe Lage der Erdachse gegen die Flche ihres jhrlichen Laufes durch die beliebte Abwechselung der Jahreszeiten ein Beweisthum der unmittelbaren Hand Gottes sein soll, so darf man nur diese Beschaffenheit bei den andern Himmelskrpern dagegen halten; so wird man gewahr werden, dass sie bei jedem derselben absechselt, und dass in dieser Verschiedenheit es auch einige giebt, die sie gar nicht haben: wie z. E. Jupiter, dessen Achse senkrecht zu dem Plane seines Kreises ist, und Mars, dessen seine es beinahe ist, welche beide keine Verschiedenheit der Jahreszeiten geniessen und doch eben sowohl Werke der hchsten Weisheit, als die andern sind. Die Begleitung der Monde beim Saturn, dem Jupiter und der Erde wrden scheinen, besondere Anordnungen des hchstens Wesens zu sein, wenn die freie Absweichung von diesem Zwecke durch das ganze System des Weltbaues nicht anzeigte, dass die Natur, ohne durch einen ausserordentlichen Zwang in ihrem freien Betragen gestrt zu sein, diese Bestimmungen hervorgebracht habe. Jupiter hat vier Monde, Saturn fnf, die Erde einen, die brigen Planeten gar keinen, ob es gleich scheint, dass diese wegen ihrer lngeren Nchte derselben bedrftiger wren, als jene. Wenn man die proportionirte Gleichheit der den Planeten eingedrckten Schwungskrfte mit den Centralneigungen ihres Abstandes als die Ursache, woher sie beinahe in Zirkeln um die Sonne laufen und durch die Gleichmssigkeit der von dieser ertheilten Wrme zu Wohnpltzen vernnftiger Creaturen geschickt werden, bewundert und sie als den unmittelbaren Finger der Allmacht ansieht: so wird man auf einmal auf die allgemeinen Gesetze der Natur zurck gefhrt, wenn man erwgt, dass diese planetische Beschaffenheit sich nach und nach mit allen Stufen der Verminderung in der Tiefe des Himmels verliert, und dass eben die hchste Weisheit, welche an der gemssigten Bewegung der Planeten ein Wohlgefallen gehabt hat, auch die Mngel nicht ausgeschlossen, mit welchen sich das System endigt, indem es in der vlligen Unregelmssigkeit und Unordnung aufhrt. Die Natur, unerachtet sie eine wesentlich Bestimmung zur Vollkommenheit und Ordnung hat, fasst in dem Umfange ihrer Mannigfaltigkeit alle mgliche Abwechselungen sogar bis auf die Mngel und Abweichungen in sich. Eben dieselbe unbeschrnkte Fruchtbarkeit derselben hat die bewohnten Himmelskugeln sowohl, als die Kometen, die ntzlichen Berge und die schdlichen Klippen, die bewohnbaren Landschaften und den Wsteneien, die Tugenden und Laster hervorgebracht.




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